Neuauflage der Festschrift von 1864 zur Eröffnung des Ernst-August-Stollens

Der Flecken Gittelde und seine Bürger haben schon immer eine besondere Beziehung zu dem Ernst-August-Stollen, ist doch das Mundloch des Stollens mit seinem imposanten Portalbau an zentraler Stelle des Ortes zu finden. Seitdem das „Oberharzer Wasserregal“ im Herbst 2010 in die Liste des UNESCO- Kultur- und Naturerbes aufgenommen wurde, ist auch der Ernst- August- Stollen als Teil dieses Wassersystems  wieder in den Blick der Öffentlichkeit getreten.

Vor rund 150 Jahren, am 5. August 1864, konnte der „Ernst-August-Stollen“ nach nur 13 Jahren Bauzeit eröffnet werden.  Anlässlich der Eröffnung fanden in Clausthal- Zellerfeld und in Gittelde große Eröffnungsfeierlichkeiten statt. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Festschrift herausgegeben, in der die große bergbauliche und technische Meisterleistung der damaligen Zeit genau beschrieben und gewürdigt wurde.

Diese Festschrift wurde jetzt als zweiter Nachdruck vom Heimat- und Geschichtsverein Gittelde im Rahmen seiner Publikationen neu gedruckt.

Die Festschriften erhalten Sie zum Preis von 8,00 € bei Hannelore Beckmann (Tel. 05327/4716) Horst Ahrens (Tel. 05327/5125), und Bodo Biegling (Tel. 05327/4801).

Eine Postzustellung ist durch Überweisung von € 9,75 und mit genauer Postanschrift auf das Konto 160041240 bei der Sparkasse Osterode (BLZ 26351015) möglich.

Heimat- und Geschichtsverein Gittelde e.V. von 1894

 

Interessante  Informationen zum Ernst-August-Stollen

  • Seit 1892 wurde das Wasser des Dammgrabens in einer Rohrleitung in den Kaiser- Wilhelm Schacht geleitet. In einer Tiefe von 364 m und auf dem Niveau des Ernst-August-Stollens wurden damit die Turbinen und Generatoren eines Kraftwerkes angetrieben. Es wurden im Durchschnitt jährlich 25 Millionen kwh Strom erzeugt. Diese Energie stand der Preussag AG, dem damaligen Betreiber der Bergwerke, zur Verfügung. Danach gelangte das Wasser durch den Ernst- August- Stollen am Mundloch in Gittelde an die Erdoberfläche und über das Stromgebiet in die Nordsee. Heute wird das Wasser des Dammgrabens vorwiegend durch ein Leitungssystem der Innerste- und Okertalsperre zur Trinkwassergewinnung zugeführt.
  • Als im Jahre 1871 im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie Seesen – Osterode der Gittelder Bahnhof gebaut wurde, wurde auch der Bau eines Gleisanschlusses zum Mundloch des Ernst-August-Stollens geprüft. Die geförderten Erze der Oberharzer Bergwerke sollten mit Lastkränen durch das Wasser führende Stollensystem nach Gittelde  transportiert und dann mit der Bahn auf der Schiene weiter befördert werden. Technisch war diese Möglichkeit durchführbar. Aufwand und Rentabilität standen jedoch nicht im Verhältnis und somit wurde das Vorhaben aufgeben.
  • Als am 5. August 1864 der Ernst-August-Stollen  eingeweiht wurde, war das mit einem großen Fest  in Gittelde verbunden. Tausende von Menschen umsäumten das Mundloch im Stollengarten. Bergleute aus dem Oberharz, Kurgäste aus Bad Grund und Landleute von Nah und Fern. Auf dem Schützenplatz war ein Riesenzelt aufgebaut, das annähernd 3500 qm überdeckte und vier Tanzsäle enthielt. Der Chronist berichtet, dass hier während des großen Volksfestes am 6. August mehr als 8000 Personen Platz fanden und weitere Tausend im Freien dem vortrefflichen Konzert braunschweigischer Regimentsmusiker lauschten. Pochknaben kredenzten unabhängig Lager- und Süßbier aus nicht versiegender Quelle. Ein überladener Schanktisch lieferte die auserlesensten Speisen. Lampions und Kronleuchter erhellten das Zeltinnere, während sich die Menge im Stollengarten an der feenhaften Illuminierung des in allen Farben prangenden Stollenportals kaum satt sehen konnte. Auf großen Transparenten strahlten die Wappen der sieben Oberharzer Bergstädte und ein weithin leuchtendes „Glück auf“.

Bodo Biegling
Ortschronist in Gittelde