Eisdorf

Ortsteil der Gemeinde Bad Grund (Harz)

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Ein Arzt und ein Freund der bildlichen Sprache beim Tag der offen Tür im Förster Museum

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Manch einer wird Dr. Dancke auf dem Führerscheinfoto wohl wiedererkennen. Fotos: Petra Bordfeld

Förste. „Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er“ – dieses Zitat stammt aus der Feder des Reformators Martin Luther. Und weil die heimatkundliche Dorfgemeinschaft Nienstedt/Förste e. V. am Reformationstag, am 31. Oktober, zum Tag der offenen Tür ins Dorfmuseum lädt, wird dem Freund der bildlichen Sprache Raum eingeräumt werden. Im wahren Mittelpunkt wird allerdings der Allgemeinmediziner Dr. Ernst Dancke stehen. Er dürfte noch vielen Bürgern des Sösetales in Erinnerung sein.

In der Zeit von 11 bis 17 Uhr besteht aber nicht nur die Möglichkeit, viel Wissenswertes über den Arzt, der von April bis Juni 1920 sein Staatsexamen in Rostock ablegte und 1922 als praktischer Arzt nach Förste kam und über den Reformator, der auch die Deutsche Sprache geprägt hat, zu erfahren. Auch alle anderen Sehenswürdigkeiten dürfen in Augenschein genommen werden. In alle Räumen werden Mitglieder der heimatkundlichen Dorfgemeinschaft Rede und Antwort stehen.

Wer sich stärken möchte, darf dies in der Mittagszeit ebenso im Museum vornehmen, wie zur Kaffeezeit. Es werden der Herbstzeit angepasste Speisen und Getränke feilgeboten.

Zurück zu Dr. Dancke, der  1892 das Licht der Welt in Schwerin erblickte, und auch Fachmann im Bereich der Säuglings-Fürsorge war. In seiner Doktorarbeit befasste er sich allerdings mit dem Thema Brustkrebs“. 

Den Erwachsenen gegenüber soll er nicht so sanftmütig gewesen sein. Wenn er beispielsweise einen Haustermin hatte, und die vordere Eingangstür nicht offen stand, soll er sich mittels Fußtritten bemerkbar gemacht haben. Dass man auf dem Dorf zu der Zeit hinten herum ging, weil die Hintertür stets offen stand, soll ihn nicht interessiert haben. Er war recht ruppig mit seinen Patienten umging, davon konnte Arzthelferin Schwester Irene ein Lied singen.

Auch wenn der Ehrenvorsitzende der damaligen Ärztekammer, der einst auch einer Studentenverbindung angehörte, manchmal so rüpelig war, muss er ein sehr guter Arzt gewesen sein, der auch Operationen und die Nachsorge durchführte, sonst hätte er nicht bis1964 in Förste und die umliegenden Gemeinden praktizieren können. Zuerst hatte er seine Praxis in der Förster Straße 76, 1933 zog er um in den Zehnt-Hof, wo er noch 33 Jahre praktizierte.

In der Ausstellung sind viele Arbeitsmaterialien von dem Mann zu sehen, der als Student während des Ersten Weltkrieges in ärztlichem Einsatz war. Sie reichen von der Geburtshilfeschürze über Ampullen und Spritzen bis hin zu Dokumenten, Fotografien, Zeichnungen und seinem Führerschein. Ob das nun das Foto aus dem Dokument oder eine Karikatur ist, auf welcher er Zigarre rauchend mit einem mit Läusen besetzten Vogelkäfig zu sehen ist.

Rund um Martin Luther wird zu einem literarischen Ausflug in seine Kreationen der Deutschen Sprache geladen. Wer Wege zum Reformator sucht, wird diese nicht finden, allein seine Wortspielereien sind lesenswert. pb

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Christa Niebuhr, Christa Liedtke, Klaus Haase, Ursel Ostermeier und Martina Binnewies (v. l. n. r.) freuen sich auf den Tag der offenen Tür im Dorfmuseum Förste.